Kleinkind

Trotzphase – Wie gehe ich am besten damit um?

Da ist sie nun, die Trotzphase. Diese Phase kann ganz plötzlich von heute auf morgen beginnen. Dein Kind setzt sich etwas in den Kopf und möchte genau jetzt, dass der Wille durchgesetzt wird. Das kann ganz schön stressig für dich und deinen Partner werden. Aber keine Sorge: Erstens ist dieses Verhalten ganz normal in dieser Entwicklungszeit und zweitens geben wir dir hier wertvolle Tipps, wie ihr am besten mit solchen Situationen umgeht und die ersten Vorboten schnell erkennt.

Die Trotzphase gehört mit zur frühkindlichen Entwicklung und ist wichtig, damit dein Kind Grenzen austesten und seinen eigenen Willen entwickeln kann. In dieser Zeit wird zudem das Selbstbewusstsein gefördert und gestärkt. Dein Schatz ist von seinen eigenen Ideen überzeugt und möchte unbedingt seinen Willen durchsetzen. Diese Stärke ist wichtig für die weitere Entwicklung.

Solche trotzigen Situationen sorgen oftmals für blanke Nerven bei euch. Aber das ist meist gar nicht die Absicht von eurem Sprössling: Er ist enttäuscht, müde, sauer oder auch traurig, dass einige Dinge nicht so laufen, wie er es sich vorstellt. Dazu kommt, dass Kleinkinder ihre Gefühle noch nicht genau differenzieren bzw. zum Ausdruck bringen können.

Tipp für euch: Geht die Situation vor allem ruhig an. Wenn ihr gestresst seid, wirkt sich das auch auf euer Kind aus.

Anfänge der Trotzphase

Trotzphase

Viele Eltern möchten am liebsten genau wissen, wann diese trotzige Phase bei ihrem Sprössling anfängt, damit sie sich darauf vorbereiten können. Dies ist jedoch sehr unterschiedlich und kann von heute auf morgen beginnen.

Die ersten kleineren Trotzphasen kommen oftmals schon bei Babys vor. Die eigentliche Zeit beginnt jedoch erst mit ca. 2 Jahren und kann sich bis zum 5. Lebensjahr hinziehen.

Klassische Situationen in der Trotzphase zeichnen sich dadurch aus, dass dein Kind sich partout nicht von seinem Willen abbringen lassen möchte. So können zunächst entspannte Situationen ganz schnell nervenaufreibend für alle Beteiligten werden:

  • Ihr seid auf dem Spielplatz und nun soll es wieder nach Hause gehen. Dein Kind möchte aber weiter schaukeln. Zusprüche und Aufforderungen helfen plötzlich nicht mehr. Es macht sich steif, lässt sich kaum noch hochheben und fängt an zu schreien.
  • Ihr seid im Supermarkt einkaufen. Die Süßigkeiten an der Kasse sind verlockend und dein Kind möchte etwas haben. Bei der wiederholten Verneinung fängt es an sich auf den Boden zu legen und zu weinen.

Das sind typische Trotzphasen. Um in solchen Situationen nicht die Nerven zu verlieren, solltet ihr auf einiges achten. Viele Situationen können nämlich vorausschauend gelöst bzw. schnell gelockert werden.

Darauf solltest du in dieser Zeit achten:

#1: Hab Geduld mit deinem Kind

Das ist wahrscheinlich leichter gesagt als getan, aber auf jeden Fall hilfreich. Denke immer daran, dass dein Schatz gerade erst dabei ist, sich zu entwickeln. Dafür muss es Dinge ausprobieren und Grenzen austesten.

#2: Habe Verständnis für die Trotzanfälle und tröste

Zeig deinem Schatz, dass du Verständnis für sein Verhalten hast, wenn es z.B. weint, weil es nach dem Kindergarten noch mit zum Einkaufen muss. Knie dich hin und begib dich auf Augenhöhe. Dann kannst du kurz die Situation erklären.

#3: Lass dich ab und zu auf Kompromisse ein

In einigen Situationen hilft es, sich auf einen Kompromiss einzulassen. So merkt dein Kind, dass es auch mal mitbestimmen darf. Es fühlt sich bestärkt, das fördert sein Selbstbewusstsein. In gefährlichen oder unübersichtlichen Situationen, wie z.B. im Straßenverkehr, solltest du jedoch konsequent bleiben. Mache deinem Kind die Gefahren bewusst.

#4: Alltag erleichtern/ Vorausschauend handeln

Oftmals kommt bereits am Morgen zu Trotz- oder Wutanfällen, weil zu wenig Zeit eingeplant ist. Dabei geht es oft darum, was dein Kind anziehen möchte oder was es essen will. Viele Situationen lassen sich einfacher gestalten, wenn ihr z.B. am Vorabend gemeinsam die Kleidung auswählt. So bleibt mehr Zeit und der Stress am Morgen kann reduziert werden.

#5: Sorge für Ablenkung

Eine Trotzphase geht meist so schnell wie sie gekommen ist. Für Ablenkung sorgen ist oftmals also die beste Lösung. Bevor dein Kind zum Beispiel wieder beim Einkaufen quengelt und bockt, beziehe es mit ein und fordere es auf dir an der Kasse zu helfen. Gestalte zum Beispiel einen kleinen Wettbewerb: “Wer mehr Dinge auf das Band gelegt hat, gewinnt”. Diese Ablenkungsmanöver lassen sich für verschiedene Situationen finden.

Die Trotzphase – alltägliche Verhaltensweisen

Im Alltag gibt es viele Situationen, die einen Trotzanfall deines Kindes auslösen können. Einige davon kannst du einfach vermeiden bzw. anders gestalten, sodass der Trotzanfall weitestgehend vermieden werden kann.

Einige bekannte Situationen und nützliche Tipps findet ihr hier:

#1: Deine Tochter Mia möchte dir stolz zeigen, dass sie ihre Jacke schon alleine anziehen und den Reißverschluss alleine zu machen kann. Das klappt leider nicht. Du hast es eilig und entschließt dich kurzerhand dazu ihr zu helfen, damit es schneller geht. Mia wird sauer, wirft sich auf den Boden und weint.

  • Grund für den Trotzanfall: Mia fühlt sich nicht ernst genommen und ist enttäuscht, weil eine Sache nicht so geklappt hat, wie sie es sich vorgestellt hat.
  • Tipp: Nimm den Frust ernst und rede ruhig auf dein Kind ein. Biete Hilfe an, indem du vorschlägst den Reißverschluss zusammen zu schließen.

#2: Ben will am Abend nicht ins Bett, er fängt ständig wieder an zu weinen und bleibt nicht liegen.

  • Tipp: Entwickle ein Abendritual mit deinem Kind: Lest zusammen ein Buch, welches er sich aussuchen kann oder mache ihm ein Hörspiel oder Musik zum einschlafen an. Wenn der Wutanfall dann noch andauert, geht aus dem Zimmer und lasst ihn zur Ruhe kommen.

#3: Ihr sitzt am Mittagstisch. Die kleine Lina möchte Apfelsaft trinken. Als du ihr den Saft gibst, weigert sie sich und möchte lieber Orangensaft. Als du ihr diesen hinstellst, entscheidet sie sich wieder um. Du verneinst, sie soll nun den Orangensaft trinken. Der Wutanfall lässt nicht lange auf sich warten.

  • Grund für den Trotzanfall: Lina kann sich nicht entscheiden und testet gleichzeitig aus, wie lange du das Spiel mitspielst, wie lange du “gehorchst”.
  • Tipp: Wenn du merkst, dass sich diese Situationen wiederholen, bleibe konsequent. Dein Kind muss mit dem zufrieden sein, wofür es sich entschieden hat. Den Wutanfall musst du aushalten. Nur so kann man daraus lernen.

Falls du mehr Hilfestellung in dieser Zeit benötigst, schaue dir zusätzlich dieses Ratgeberbuch an.

Trotzphase – Ein wichtiger Entwicklungsschritt

Du siehst also: Die Trotzphase kann ziemlich anstrengend für alle Beteiligten sein, jedoch gehört sie zu einem wichtigen Entwicklungsschritt deines Kindes dazu. In dieser Zeit sammelt es viele wichtige Erfahrungen. Als Eltern solltet ihr eurem Schatz klare Grenzen setzen, aber auch nicht zu oft “Nein” sagen und Dinge verbieten. Verbote frustrieren nur, und führen meist zu noch mehr Trotzanfällen.

Brems dein Schatz also nicht zu oft aus und nimm dir Zeit. Nur so kann dein Kind lernen und entwickelt Selbstbewusstsein und eine gewisse Eigenständigkeit, z.B. beim selbstständigen Anziehen. Auf der anderen Seite darfst du gleichzeitig nicht nachgeben, damit dein Kind dir nicht auf der Nase rumtanzt. Finde einen geeigneten Mittelweg zwischen dem Grenzensetzen und der selbstständigen Entwicklung.

Junge in der Trotzphase

Zudem solltest du immer im Hinterkopf haben, dass du nichts von dem was dein Kind sagt oder tut persönlich nehmen solltest. Meistens weiß es einfach nicht wie es dir anders seine Situation erklären soll und greift dann am einfachsten auf die Emotion Wut zurück – in der Hoffnung du sein Anliegen verstehst und ihm hilfst.

Wichtig ist vor allem: Versuche ruhig zu bleiben, zeige Verständnis und sehe die Trotzphase als wichtige Erfahrungsphase für dein Kind an.

Auch diese Phase geht vorüber: Du meisterst das!